Die Heilig-Geist-Kirche - Idee und Gestalt

Zwei eigenwillige Baukörper: Turm und Schiff der Heilig-Geist-Kirche Bad Oeynhausen.Der Blick eilt den schmalen, sich verjüngenden Turm hinauf bis zum Kreuz: ein Wächter, ein Rufer, ein Hinweis. Dass der Turm ganz frei in einigem Abstand von der Kirche steht, verstärkt nur seine Wirkung. Das Betonmaßwerk der Glockenstube ist Schmuck und Notwendigkeit zugleich. Es scheint schon ohne Glocken zu klingen.Das Auge gleitet zu dem klaren Baukörper des Kirchenschiffes hinüber. Der Rhythmus der kräftigen Pfeiler bestimmt den Eindruck. Hier ist nichts zuviel und nichts verborgen. Klarheit und Maß herrschen vor. Doch diese Strenge wird ähnlich wie beim Turm durch das Spiel der Betonkassetten gemildert. Hier ist bei aller Strenge ein Klang, bei aller Distanz eine große Freude spürbar. Man bemerkt nebenbei, dass sich Turm und Schiff leicht aus der Ost-West-Richtung drehen.

Wir nähern uns auf dem durch die Grünanlage führenden Wege der Kirche. Den Ankommenden umfängt ein geschlossener Hof, der Turm und Schiff miteinander verbindet. Ein Vorraum der Stille, ein Verweilen, ein Schutz für die sich sammelnde Gemeinde. Ein schmaler Brunnenstrahl spielt die Melodie der Stille. Betonsäulen tragen ein Überdach rings um den Hof. Sie markieren den Weg zum Eingang. Turm und Hof vereinigen sich so zu einer einladenden Geste: „Komm - tritt ein!"

Durch eine kleine Lichtschleuse betreten wir den Kirchenraum. Der Raum ist viel größer als vorher gedacht. Er strebt nach oben, er weitet sich im Weiß der Wände. Die Südfront ist eine Lichtwand. Ein Spiel von Licht und Schatten, das sich dem ganzen Raum mitteilt. Die starken Pfeiler unterteilen und führen das Licht.

Die große Altarwand gibt dem Raum die Dimension. Sie lässt keine Ablenkung zu und konzentriert die Gemeinde auf das eine: den gekreuzigten Herrn. „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und nahm auf sich unsere Schmerzen." (Jes 53,4) Unter dem Kreuz stehen Altartisch und Kanzel auf einem Podest, das sich drei Stufen über dem Boden erhebt. Beide frei, von allen Seiten zugänglich, in rohem Ziegelwerk gemauert.

Hier ist die Mitte. Der Weg führt zum Kreuz und vom Kreuz in die Welt hinein, die man vor dem Fenster ahnt. Der Raum will uns nicht von ihr abschließen, sondern nur sammeln, um uns zum Dienst an ihr fähig zu machen.

Der Altarraum weitet sich nach links in den Chorteil hinein. Der Chor hat an dieser Stelle seinen Platz, weil er den Lobpreis der Gemeinde als Träger der Verkündigung anführt. Neben den beiden Nordfenstern wird die Orgel sichtbar. Der Chorteil erhebt sich nur um einen Meter über den Boden des Kirchenschiffes und wird so gleichzeitig vom Raum der Gemeinde abgegrenzt und in ihn einbezogen.

Ist die Lichtfront imponierend durch ihre Einheit im Spiel von Licht und Schatten, so sind die Wände im Norden geschlossen und schützen die Gemeinde vor dem Geräusch und dem Einblick der Straße. Schlanke Pfeiler treten aus der Wand hervor. Vom Chorteil her schwingt sich eine Treppe zur Galerie hoch, die sich an den Pfeilern entlang bis über die drei Türen des Eingangs hin fortsetzt. Sie ist für die festliche Musik der Bläser bestimmt. Zwölf Pfeiler tragen den Raum, der sich zum Licht hin öffnet und zum Dunkel verschließt. Über allem der sanfte Schwung der Decke. Nichts hemmt den Blick zu ihr hinauf. Keine Empore engt ihn ein, man kann atmen. Sie verbindet links und rechts durch breite, helle Bänder auf rostbraunem Untergrund. Von der Decke gehen Wärme und Geborgenheit aus. Etwas Barockes klingt auf. Der Raum sammelt die Gemeinde in einer Atmosphäre von lichter Fröhlichkeit, die doch ihre Würde und ihren Ernst nirgendwo verliert.

Unter dem Chorraum liegt die Sakristei, den Gedanken einer Kryptakapelle auf moderne Weise aufnehmend. (Seit August 2008 versammeln sich hier die jüngsten Gemeindeglieder zum sonntäglichen Kindergottesdienst.)
Wolfram Lacker, Pfarrer der Ev. Luth. Wichernkirchengemeinde von 1954 bis 1969, gest. im Juni 2001.
 

Ausgestaltung unserer Kirche:


Die Orgel:

entworfen vom Architekten der Kirche, Prof.  Karl Wilhelm Ochs, Berlin 1967 erbaut von der Fa. Gustav Steinmann Orgelbau in Vlotho

Das Kruzifix:
aus dem Jahr 1964, gestaltet von dem Künstler Jürgen Weber, Braunschweig, nach dem Motiv des leidenden  Gottesknechtes:“ Fürwahr er trug (Jes. 53,4)

Der Taufleuchter:
Künstlerin Eva Limberg aus Bielefeld
Der Taufleuchter erwächst aus dem Lebensbaum zum Kreuz; seine beiden Seitenarme sind zu einem Schiffsrumpf geformt. Auf dem einen Schiffsrumpf wird die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer dargestellt, auf dem anderen die Sendung der Jünger Jesu in die Welt.


Der Bilder-Zyklus:

Holzschnitte des österreichischen Künstlers Robert Hammerstiel zu verschiedenen biblischen Themen


Die Holzskulpturen:

Künstlerin Cornelia Grzywa aus Lachen/Mosbach in Bayern
Zwei Holzskulpturen mit Texten mit biblischen Motiven

  1. Skulptur: Aus Flügeln ein Haus
  2. Skulptur: Zugewandt


Der Erbauer, Prof. Karl Wilhelm Ochs, gab drei Wünsche mit:

„Möge der Bau zu Gottes Ehre und zur Freude der Menschen mit seinem Segen wohlgelingen;

mögen die, die darin sein Wort hören und beten, seinen Frieden, Kraft und Zuversicht finden;

mögen die Menschen auf der Erde die Angst vor den Menschen verlieren und

möge kein Krieg ihr Leben, Ihre Werke und Gottes Schöpfung sinnlos zerstören. Amen."